Newsletter Mai 2026
Namaste,
wir hatten ein wunderschönes, sonniges Wochenende. Das Leben kann so kostbar sein, wenn wir es bewusst gestalten: wenn wir die Natur genießen, Zeit mit lieben Menschen verbringen und ganz mit dem verbunden sind, was wir tun. Nach einem langen Wandertag hat mein Knie allerdings schlappgemacht, und ich darf mir nun körperlich etwas Ruhe schenken. Schon länger spüre ich, dass sich ein neuer innerer Raum entfalten möchte – ein Raum, auf den ich große Lust habe. Nun scheint das Leben ihn mir auf seine Weise zu schenken. 🙂
Wir alle sehnen uns nach einem erfüllten, friedvollen Leben, in dem unsere tiefsten Bedürfnisse gestillt werden. Wir möchten Leid vermeiden und hoffen, dass unsere Sehnsüchte nicht unerfüllt bleiben. Gleichzeitig fürchten wir Schicksalsschläge, Einsamkeit oder das Gefühl, nie wirklich glücklich zu werden.
Heute gibt es unzählige Konzepte, die uns erklären wollen, wie das „perfekte Leben“ aussieht. Und doch scheint uns genau das oft zu überfordern. Ich habe den Eindruck, dass unsere inneren Gefäße längst voll sind. Wir sind erschöpft von der Flut an Informationen, die täglich auf uns einströmt: Nachrichten, Weltgeschehen, Ratgeber, Selbstoptimierung und spirituelle Konzepte. Vieles davon ist gut gemeint – und dennoch spüren wir tief in uns, dass etwas daran nicht stimmt.
Ich habe schon oft über unsere Entwurzelung geschrieben. Wir haben die Bodenhaftung verloren. Selbst wenn wir davon sprechen, präsent zu sein oder den Körper zu spüren, bleiben wir häufig im Kopf – meist, ohne es zu bemerken. Viele wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wirklich wahrzunehmen und die eigene körperliche Präsenz lebendig zu erleben. Es bleibt oft nur eine Vorstellung davon – und genau das hinterlässt ein Gefühl von Leere.
Wir hetzen durch To-do-Listen, um erfolgreicher, gesünder oder glücklicher zu werden. Und wenn uns das nicht gelingt, fühlen wir uns schlecht. Wir suchen die Schuld im Außen oder – was noch zerstörerischer ist – verurteilen uns selbst.
Diese Entfremdung zeigt sich überall: politisch, gesellschaftlich und zwischenmenschlich. Es fehlt der Kontakt zu uns selbst, zu unserem Herzen und zur Erde. Was wir wirklich brauchen, ist Verbundenheit – nicht als mentales Konzept, sondern als unmittelbare Erfahrung. Ein echtes Ankommen in der Gegenwart.
Wenn ihr wissen wollt, wie es euch wirklich geht, haltet inne und spürt in euren Körper hinein. Dieses feine Instrument spiegelt hochsensibel wider, was in euch vorgeht. Auch wenn wir die äußeren Umstände nicht immer verändern können, reicht es oft schon, mit dem zu sein, was sich zeigt, um wieder in einen ehrlichen Kontakt mit sich selbst zu kommen.
Häufig braucht ihr keine weiteren Techniken, keine neuen Heilmittel und keine zusätzlichen Energiesitzungen. Was es vielmehr braucht, ist den Mut, der Wahrheit zu begegnen, vor der ihr vielleicht schon lange flieht.
Ihr leidet nicht, weil euer Körper schwach ist, sondern weil ihr gegen ihn lebt. Ihr verlangt von ihm, zur Ruhe zu kommen, während ihr in Beziehungen bleibt, die euch innerlich ausbrennen. Ihr erwartet, dass er aufblüht, während ihr in Gedanken hart und lieblos mit euch selbst sprecht.
Der Körper ist intelligent – doch er kann diesen inneren Widerspruch nicht unbegrenzt tragen. Wenn wir ihm keine echte Aufmerksamkeit schenken, wird er uns irgendwann zum Innehalten zwingen: durch Schmerz, Erschöpfung oder durch eine tiefe stille Krise.
Manchmal muss man dem Leben nichts Neues hinzufügen. Man muss nur den Mut haben, das zu beenden, von dem man längst weiß, dass es schadet.
Zuhause in sich selbst ist man nicht, wenn man sich ständig reparieren will. Der Körper ist kein Projekt – er ist ein Spiegel der Wahrheit.
Auch wenn über psychosomatische Erkrankungen gesprochen wird, bedeutet das nicht, dass körperliche Symptome „nur eingebildet“ wären. Das ist ein weitverbreitetes Missverständnis. Der Körper zeigt immer ein reales Krankheitsgeschehen. Häufig kann die Schulmedizin Symptome zunächst nicht eindeutig einordnen oder das Krankheitsbild ist noch nicht vollständig verstanden. Deshalb ist es wichtig, den physischen Körper ernst zu nehmen und auch auf dieser Ebene zu arbeiten.
Gleichzeitig gibt es da eine große Überschrift, nämlich ein geistiges oder seelisches Thema/ Aufgabe, das hinter den Symptomen steht. Und genau darum geht es letztlich. Es gibt keine wirkliche Trennung zwischen einer „physischen“ Krankheit und einem psychosomatischen Geschehen. Dieser Gedanke der Trennung ist überholt. Manche Menschen reagieren auf diese geistigen Themen primär stärker über die Psyche, andere stärker über den Körper.
Über die Körperwahrnehmung finden wir Zugang zu unseren Gefühlen und zu unserer inneren Weisheit. Vieles von dem, was der Körper zeigt, möchten wir nicht spüren, weil es ungewohnt oder unangenehm ist und wir nie gelernt haben, damit wirklich zu sein.
Doch wenn wir tief genug in unsere Körperwahrnehmung eintauchen, beantworten sich viele Fragen von selbst – weil wir die Antwort nicht denken, sondern spüren.
Körperwahrnehmung ist still, leise, wertfrei und unspektakulär. Sie braucht Zärtlichkeit, Raum und Zeit. Das ist eine Herausforderung in einer Ära, in der so viele nach Aufmerksamkeit brüllen und alles dafür tun, sichtbar zu sein – und in der ein stilles Leben oft fälschlicherweise als bedeutungslos erscheint.
Und wenn du meinen langen Newsletter jetzt zu Ende gelesen hast, dann nimm dir doch ein Moment Zeit, die Augen zu schließen und einfach mal in dich hinein zu spüren.
Lass den Atem ruhig und tief fließen…. Gib dir für diesen Moment Raum und Zeit… einfach wahrzunehmen, was da ist… was gefühlt werden möchte….. Lass dich auf dein Körpergefühl ein… Vielleicht kannst du spüren, wo Spannungen sind oder wo es weicher und wärmer ist… Alles darf da sein, du musst nichts tun…. Du musst nichts lösen, du musst nichts verändern….Vielleicht darf es etwas weicher und offener werden…warm und weich…fließend und frei…..vielleicht darf sich auch Unangenehmes zeigen….es darf sein…ohne Urteil…zärtlich und warm… Atme tief ein und aus… lass dich immer wieder ganz entspannt auf deine Körperwahrnehmung ein…….und vielleicht lässt du mit der Ausatmung etwas los, was sich jetzt lösen möchte…. Und gib dir in diesem Hineinspüren einen weiten Raum…vielleicht von Frieden und Ruhe… Es darf sich alles entspannen……Manchmal hilft es, sich um den Raum des Körpers herum zu konzentrieren, um den Körper besser zu spüren… Das kannst du probieren. Aber auch da, streng dich bitte nicht an, deine Intention ist weich und freundlich….
Und ohne etwas erreichen zu wollen, darfst du jetzt noch abschließend deine Vorstellungskraft nutzen, um an etwas Licht- und Liebevolles zu denken. Das kann ein schöner Ort in der Natur sein, ein Lichtwesen, ein Tier, ein lieber Mensch oder ein geliebter Verstorbener, der dein Herz wärmt… Vielleicht kannst du dann auch in deinem eigenen Herzen die Wärme für dich selbst spüren…..Namaste.
Ich wünsche euch einen wundervollen Frühling – getragen von dem Gefühl, dass weniger oft mehr ist und in der Ruhe die wahre Kraft liegt… Vielleicht begleitet euch dabei auch ein wenig Dankbarkeit, mehr Langsamkeit und hin und wieder ein grundloses Lächeln..
Am 22. Mai gebe ich nach längerer Zeit wieder einen Meditationsabend zu diesen Themen.
Im Oktober veranstalten mein Partner Markus und ich erneut ein Beziehungsseminar für Paare – in kleinerer Runde und in den Räumen meiner Praxis.
Außerdem wird es voraussichtlich Ende des Jahres einen neuen Zyklus meiner zweijährigen buddhistischen Ausbildung geben.
Weitere Informationen findet ihr unten.
Herzlich, Simone